Manifest zur kritischen Friedensforschung 2.0

Manifest Kritische Friedens- und Konfliktforschung
Zivilklausel für bayerische Universitäten

Warum brauchen wir eine kritische Friedens- und Konfliktforschung?

Aus dem Vorwort zitiert:

"Das „Manifest zur kritischen Friedensforschung 2.0“ wurde vom Arbeitskreis „Herrschaftskritische Friedensforschung“ der „Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung“ (AFK) initiiert. Es entstand vor dem Hintergrund eines schon länger wachsenden Unbehagens an dem Kurs insbesondere jenes Teils der Friedensforschung, der die Disziplin in der Öffentlichkeit zu repräsentieren scheint. Nicht zuletzt seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 und dem genozidal geführten Gazakrieg Israels als Reaktion auf die Attentate der Hamas vom Oktober 2023 lautet das Urteil: zu staatsnah, zu unkritisch, zu sicherheitslastig. Mit diesem Kurs drohen die Unterschiede zu den strategic bzw. security studies zu verschwimmen, gegen deren epistemische Haltung und praktische Empfehlungen die Friedensforschung ursprünglich einmal angetreten war."

Angesichts aktueller Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit

"Darüber hinaus entzündete sich auf der AFK-Mitgliederversammlung im März 2025 eine hitzige Kontroverse darüber, wie politisch Stellungnahmen eines wissenschaftlichen Dachverbands angesichts der aktuellen Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit sein dürfen. Dieser handfeste Dissens bestärkte den Wunsch, die eigenen Vorstellungen einer anderen, kritischeren, Friedensforschung positiv auszugestalten. Da die Idee eines Manifests aber schon vorher kursierte, konnte das Projekt bereits im April 2025 mit einer ersten Skizze und der Bildung eines Schreib- und Redaktionsteams (bestehend aus Sabine Jaberg, Philipp Lottholz und David Scheuing) Fahrt aufnehmen. Von da an war das Thema ständiger Begleiter bei den monatlichen AK-Sitzungen."

„Gerade jetzt, in einer Zeit der Kriege weltweit und einer ungebremsten Aufrüstung in Deutschland, muss sich Wissenschaft für ein Ende von Gewalt und Konflikten einsetzen und darf sich nicht dem Kanon aus Nationalismus und Militarismus unterwerfen.“ 
(Maria R. Feckl, DFG-VK Bayern antwortet auf eine Anfrage der AZ)

In der Tradition der Wannsee-Erklärung von 1971 zur kritischen Friedensforschung

"Auch wenn das Manifest aus dem AK Herrschaftskritische Friedensforschung entstanden und von ihm herausgegeben ist, beschränkt es sich nicht auf dezidiert herrschaftskritische Perspektiven, die gleichwohl im Text ihre Spuren hinterlassen haben. Damit war es möglich, sowohl die Tradition der Wannsee-Erklärung von 1971 zur kritischen Friedensforschung fortzuschreiben als auch andere Arbeitskreise der AFK in einen gleichberechtigten Diskussions- und Erstellungsprozess einzubeziehen. Einen Meilenstein bildete die am 16. und 17. Januar 2026 online durchgeführte Kommentarkonferenz, zu der wir sowohl über die Arbeitskreise als auch über den Rundbrief der AFK eingeladen hatten. Der im Lichte der dortigen Diskussion überarbeitete Entwurf wurde in einer Druckversion auf dem AFK-Kolloquium vom 11. bis 13. März 2026 in Leipzig verteilt und vor allem im Rahmen eines eigenen Panels intensiv diskutiert."

Auszüge aus "Das Manifest - Kurzgesagt"

"Kritische Forschung – kritische Friedenspraxis

Kritische Friedensforschung, wie wir sie verstehen, stellt viele Bezüge in die Friedenspraxis her. Sie ist hier beidseitig durchlässiger, als dies bei traditionellen Wissenschaftsperspektiven der Fall ist. Als engagierte Disziplin kann sie nicht neben ihrem Gegenstand stehen, sondern ist in sein Fortschreiten eingewoben. Ihre Verfechter*innen engagieren sich nach Möglichkeit auch außerhalb von Lehre und Forschung für die praktische Überwindung gesellschaftlicher Gewaltverhältnisse. Darin ist sich die kritische Friedensforschung mit der kritischen Friedenspädagogik als Theorie einer kritischen Friedensbildung einig. Beide betrachten einander als Bereitstellerinnen von Friedenswissen, das sich wechselseitig ergänzt und bereichert. Angesichts erwartbaren Gegenwindes sind sie gleichermaßen auf Haltungen epistemischer Widerständigkeit und auf solidarische Strukturen angewiesen."

"Prinzipien kritischer Friedensforschung"

Wir sehen kritische Friedensforschung vor allem durch folgende Prinzipien gekennzeichnet:
(1.) Wissenschaftlichkeit und Transdisziplinarität,
(2.) Wissensoffenheit und Kritik epistemischer Gewalt,
(3.) Theorieoffenheit und Unabgeschlossenheit,
(4,) ein Verständnis als transformative und eingreifende Wissenschaft,
(5.) fundamentale Gewaltkritik sowie
(6.) die Orientierung an Friedensidealen.

MANIFEST ZUR KRITISCHEN FRIEDENSFORSCHUNG 2.0

Das Manifest in Langfassung ist auf der Homepage des Arbeitskreis Herrschaftskritische Friedensforschung der AFK zum Download erhältlich.

Friedensideale

"- Die fundamentale Kritik an Gewaltverhältnissen im Allgemeinen und Herrschaftsverhältnissen im Besonderen speist sich auch aus einem utopischen Überschuss eines Friedensideals, das sich seinerseits der Kritik stellen muss. Diese konstruktive Ausrichtung am Ideal des Friedens ist auch für eine primär kritische Friedensforschung notwendig, um den normativen Gehalt ihres Strebens benennen, Kriterien für ihre Kritik destillieren und Friedenspraxis ausrichten zu können.

- Kritische Friedensforschung sieht sich einem weiten und positiven Friedensverständnis verpflichtet.

- Kritische Friedensforschung anerkennt die Vielgestaltigkeit der Friedensvorstellungen und normiert nicht deren Verwendung. Sie ist aber in der Lage, die Legitimierung von Gewaltverhältnissen durch diskursive ‚Friedensmarkierungen‘ zu entlarven und zu kritisieren."

Passend dazu

der Artikel von Alexander Spöri in der AZ vom 07.07.2026

„Alles im Namen des Friedens“

„Bayerns Universitäten haben eine Forschungsallianz gegründet. Die einen sehen darin zeitgemäße Konflikt- und Sicherheitsforschung. Andere fragen, ob Wissenschaft in den Dienst der Aufrüstung gerät.“

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