“I Refuse” – Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen Staat und Militär
Freitag, 13. Februar 2026, 19 – 22 Uhr
Kriegsdienstverweigerung ist das Recht, aus Gewissensgründen den Dienst mit der Waffe abzulehnen. Angesichts neuer Wehrpflichtdebatten, Aufrüstung und militärischer Eskalationen in Europa gewinnt sie erneut an politischer und gesellschaftlicher Bedeutung.
Am Kriegsdienst zeigt sich, ob Gesellschaften bereit sind, die Kriegspläne ihrer Regierungen und Militärs aktiv mitzutragen – oder ihnen die Zustimmung entziehen. Kriegsdienstverweigerung ist deshalb weit mehr als eine individuelle Gewissensentscheidung: Sie ist ein politischer Akt, der staatliche Gewalt, Militarisierung und Kriegsvorbereitung grundsätzlich infrage stellt.
Deutschland unterstützt derzeit aktiv kriegführende Staaten – insbesondere die Ukraine und Israel. Doch ob diese Kriege tatsächlich im Sinne der jeweiligen Gesellschaften geführt werden, lässt sich auch an einem anderen Indikator ablesen: an der wachsenden Zahl von Menschen, die den Kriegsdienst verweigern, desertieren oder sich ihm entziehen.
Wie steht es um die Kriegsbereitschaft in Europa – und in Deutschland selbst?
Auf der Internationalen Münchner Friedenskonferenz 2026 (IMFK 2026) beleuchtet dieser Abend die vielfältigen Bedeutungen, Motive und politischen Dimensionen von Kriegsdienstverweigerung – aus internationaler Perspektive und anhand persönlicher Erfahrungen.
Teilnehmende des Podiums
●aus Deutschland
○ Simon David Dressler
○ Franz Nadler (Connection e.V.)
● aus Israel/Besetzte palästinensischen Gebiete
○ Sofia Orr (Mesarvot)
● aus der Ukraine/Russland
○ Yan Kormilishin (Kriegsdienstverweigerer aus der Ukraine)
○ Timofy Vaskin (Kriegsdienstverweigerer aus Russland)
Moderation: Kerem Schamberger (Medico International)
Weiterer Input: Katharina Rottmayr-Czerny (Netzwerk Friedenssteuer)
Hintergründe
Kriegsdienstverweigerung in der Ukraine und in Russland
Die massive Zerstörung von Städten, Landschaften und Lebensgrundlagen sowie hunderttausende Tote und Verletzte prägen den Krieg in der Ukraine. Während diese Gewalt meist ausschließlich dem russischen Angriff zugeschrieben wird, verweisen hunderttausende Männer, die sich in der Ukraine dem Kriegsdienst entziehen, auf eine andere Realität: Offenbar wächst die Einsicht, dass militärische Verteidigung nicht zwangsläufig dem Schutz des eigenen Lebens dient, sondern vor allem dem Erhalt staatlicher Ordnung.
Kriegsdienstverweigerung in Israel
Trotz eines aktuellen, äußerst fragilen Waffenstillstands in Gaza setzen sich militärische Angriffe fort. Gaza wird weiterhin bombardiert, ebenso Ziele im Libanon und in Syrien. Parallel dazu verschärft sich die humanitäre Lage der palästinensischen Bevölkerung – nicht nur im Gazastreifen, sondern auch in den besetzten palästinensischen Gebieten, wo Vertreibungen, Siedlungsausbau und militärische Gewalt anhalten.
Gleichzeitig wächst innerhalb Israels der gesellschaftliche und militärische Widerstand gegen den Krieg. Reservist:innen verweigern zunehmend den Dienst, Soldat:innen warnen vor Überlastung der Streitkräfte und vor dem Verlust gesellschaftlicher Legitimation. International mehren sich kritische Stimmen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Menschenrechtsorganisationen, die auf schwerwiegende völkerrechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Vorgehen der israelischen Regierung hinweisen.
Organisationen wie Mesarvot, Breaking the Silence und Combatants for Peace dokumentieren seit Jahren die Realität von Besatzung und Militarisierung. Sie unterstützen Kriegsdienstverweiger:innen und tragen dazu bei, zivile Alternativen zu Gewalt und Krieg sichtbar zu machen.
Kriegsdienstverweigerung in Deutschland
Was geschieht, wenn die deutsche Gesellschaft die Kriegsvorbereitung der eigenen Regierung nicht mehr mitträgt? Jahrzehntelang verfügte die Politik in Fragen der Aufrüstung über großen Handlungsspielraum – trotz stabiler Mehrheiten in Umfragen gegen Auslandseinsätze, Atomwaffen und Militarisierung.
Heute sollen Bundeswehr und Reserve massiv ausgebaut werden, obwohl das Militär schrumpft und die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung nach Art. 4 Abs. 3 GG deutlich steigt. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur „Modernisierung des Wehrdienstes“ zum 1. Januar 2026 rückt der staatliche Zwang zum Kriegsdienst erneut ins Zentrum. Wie wird die Gesellschaft darauf reagieren?
Kriegsdienstverweigerung – mehr als individuelle Entscheidung
Kriegsdienstverweigerung kann vieles bedeuten:
- Überlebensstrategie
- Verweigerung der Beteiligung an Kriegsverbrechen
- Akt der Konfliktprävention
- Politischer Widerstand gegen Militarisierung
In jedem Fall stellt sie staatliche Gewaltansprüche infrage und eröffnet Räume für alternative Sicherheitsvorstellungen jenseits militärischer Logik.
Nationale und internationale Relevanz
Die Debatte um Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung steht im Kontext aktueller sicherheitspolitischer Diskussionen, wie sie auch rund um die Münchner Sicherheitskonferenz geführt werden. Die transnationale Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren gewinnt weltweit an Bedeutung. In Deutschland ist sie eng verbunden mit:
- der erneuten Wehrpflicht- und Dienstpflichtdebatte,
- Einschränkungen des Asylrechts,
- und der Präsenz hunderttausender Kriegsdienstverweigerer aus Ländern wie der Ukraine, Russland oder der Türkei.
Während sicherheitspolitische Eliten auf der Münchner Sicherheitskonferenzen über Krieg, Aufrüstung und Geopolitik entscheiden, nehmen Menschen durch Kriegsdienstverweigerung ihr Schicksal selbst in die Hand – als Akt zivilen Ungehorsams und demokratischer Selbstbestimmung.
Format & Leitfragen
Im Mittelpunkt des Abends stehen persönliche Erfahrungen von Kriegsdienstverweigerung aus unterschiedlichen Ländern.
Diskutiert werden u. a.:
- Gibt es ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung – und wird es gewährt?
- Wie werden Verweigerer, Deserteure und Soldat*innen behandelt?
- Welche Rolle spielt internationale Solidarität?
- Was bedeutet Kriegsdienstverweigerung im Kontext von Aufrüstung, Völkerrechtsbrüchen und automatisierter Kriegsführung?
- Ist Verweigerung ein Akt der Verantwortung – oder ein Aufruf zur Kapitulation?
- Welche Alternativen zur militärischen Verteidigung sind denkbar?
Internationale Münchner Friedenskonferenz 2026
Freitag, 13. Februar 2026, 19 – 22 Uhr

