Friedenskonferenz München

Betrifft: Grußwort bei der Internationalen Münchner Friedenskonferenz

                               Stellungnahme Thomas Rödl        Stand 13.1.2020, weitere Aktualisierungen folgen

 

Mit Mail vom 18.12.2019 hat uns das Büro des Oberbürgermeisters mitgeteilt:

„Wenn Sie damit einverstanden sind, wird in Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters, Herr Stadtrat Marian Offman an der Veranstaltung teilnehmen und ein Grußwort sprechen.“

Natürlich hat uns das erst mal erstaunt - will Herr Offman denn überhaupt mit den Positionen der Friedenskonferenz identifiziert werden? Zum Beispiel: „Schritte zur Abrüstung mit dem Ziel der allgemeinen und vollständigen Abrüstung“. Seine Positionen zu den Themen Militär, Abrüstung, Atomwaffen dürften doch unseren genau entgegengesetzt sein.

Dies habe ich dem OB-Büro telefonisch und informell mitgeteilt, weiterhin, dass wir befürchten, es könnten dann plötzlich Themen die Friedenskonferenz dominieren, die wir in unserem geplanten Programm gar nicht ansprechen wollten. Weiterhin haben wir befürchtet, dass Kritiker der Positionen und Politik des Herrn Offman auftreten könnten und die Veranstaltung stören oder eine Diskussion erzwingen wollen, die unsere Veranstaltung sprengen würden. Nota bene: Nicht antisemitische Krawallmacher, sondern Menschen aus der Münchner Friedens- und Menschenrechtsbewegung, die sich als Antisemiten diffamiert fühlen!

Also informell die freundliche Bitte, doch noch jemand zu suchen, der/die uns politisch näher steht!

Aus dem Trägerkreis gab es zu diesem Zeitpunkt unterschiedliche Stellungnahmen -- teils, Herrn Offman nicht zu akzeptieren, teils, ihn einzuladen und die Widersprüche auszuhalten, teils, erst einmal ein Gespräch zu suchen und dann in Ruhe darüber zu entscheiden!

Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns nach meiner Auffassung noch in einem Entscheidungsfindungsprozess - keine „Ausladung“ ! - sondern die Abwägung der Argumente, ob wir ihn einladen wollen oder nicht.

(Es gibt keine formalen Festlegungen, dass der Trägerkreis den Vorschlag der Stadt bezüglich Grußwort zu akzeptieren hat. Dann hätten wir ja den Vorschlag des OB- Büros ohne weitere Debatte akzeptieren müssen; oder die Veranstaltung absagen. Es gab auch bereits eine Veranstaltung im Rathaus ohne Grußwort)

Die Kommunikation, insbesondere auch mit dem Kreisjugendring, war nicht optimal, nicht zuletzt wegen der Weihnachtsfeiertage. Der KJR- Vorstand hat dann auf den Zeitungsartikel in der Süddeutschen reagiert, ohne mit mir / mit uns zu sprechen, ich war über die Feiertage nicht greifbar.

Herr Offman ging aber schon am 18.-19.12. an die Presse, ohne vorher mit uns zu reden. Gegen den Titel „Ausladung“ konnten wir uns nicht zeitnah wehren.

Mit der subtilen Unterstellung von Antisemitismus hat er einen Medienrummel losgetreten. Das zeigt für uns, dass er an der Eskalation interessiert war, nicht am Dialog mit dem Trägerkreis Friedenskonferenz.

 

Unsere Bedenken habe ich dann auf Anfrage der Süddt. Zeitung  mitgeteilt:

„Ja, wir haben die Mitarbeiterin des OB gebeten, jemand anderen für das Grußwort zu suchen.

Herr Offman kommt aus der CSU und diese vertritt bei den Themen Militär, Rüstung, Atomwaffen etc. genau die Positionen, die wir argumentativ mit unserem Konferenzprogramm ablehnen. Herr Offman hat sich, weiterhin, offensiv und polarisierend mit politischen Gruppen und Veranstaltungen auseinandergesetzt, die die Politik der Regierung Israels kritisch beurteilen. Daher befürchten wir, dass dann plötzlich diese Themen die Veranstaltung im Alten Rathaus dominieren, die nicht Gegenstand unseres Programms sind.

Das Friedenskonferenz- Team ist gerne bereit mit Herrn Offman über die  in dieser Stellungnahme aufgeworfenen Fragen zu sprechen.  …….

Abschließend möchte ich Sie drauf hinweisen, dass immer Teil des Programms der Friedenskonferenz das „Friedensgebet der Religionen“ ist:  Christen, Juden , Muslime, Bahai und Buddhisten beten gemeinsam. Nichts liegt uns also ferner, als eine bestimmte Religionsgemeinschaft ausgrenzen zu wollen.“

 

Mein Fehler war wohl, überhaupt eine Stellungnahme abgegeben zu haben, ohne vorher mit allen beteiligten gesprochen zu haben. Und unter Verweis auf die Feiertage und die schwerfällige Entscheidungsfindung ein einem Trägerkreis von 7 unterschiedlichen Organisationen.

Das hätte uns aber wohl die Schlagzeile „Ausladung“ nicht erspart.

Für die Interpretationen und subtilen Unterstellungen („weil er ein Jude ist…“) von Herrn Offman und seine Mitteilung an die Medien, die Zuordnung von „pro-israelisch“ und damit die Unterstellung, der Trägerkreis sei irgendwie „anti-israelisch“, und für deren weitere Verkürzungen und Überspitzungen, können wir leider nichts.

Der Trägerkreis Friedenskonferenz hat - als ein-Punkt Projektgruppe - keine Position zur Politik der israelischen Regierung im Allgemeinen wie zu der sog. BDS- Kampagne im Besonderen. Wie aus unserem Programm hervorgeht, haben wir nicht die Absicht, das irgendwie zu thematisieren. Diese Zusammenhänge werden durch die Medien hergestellt.

Inhaltlicher Schwerpunkt 2020 soll das Konzept „Sicherheit neu denken“ sein.

 

Mit Mail vom 30.12.2019 hat uns das Büro des OB mitgeteilt, dass aus Termingründen kein /e Stadtrat/rätin für ein Grußwort verfügbar sei. Ich konnte wohl annehmen, dass das mit dem Herrn OB abgesprochen sei. Damit hätte die Sache erledigt sein können.

Der Trägerkreis hat sich dann erst am 4.1. 2020 zu einer Sondersitzung getroffen. Diese stand dann schon unter dem Eindruck der teils diffamierenden Medienberichte, Hassmails, Beschimpfungen am Telefon, Unterstellungen von Antisemitismus etc. Die Organisationen im Trägerkreis, zwischenzeitlich die Mehrheit, die die Bedenken teilen, lehnen den Herrn Offman als Redner selbstverständlich nicht deshalb ab, weil er Jude ist, sondern wegen seiner politischen Positionen und Aktivitäten. Wer sich politisch exponiert, muss sachliche Kritik aushalten.

Wir haben Herrn Offman mit mail vom 4.1. 2020 zu einem Gespräch eingeladen, mit Mail v. 8.1.2020 hat er das abgelehnt. Stattdessen erschien ein weiterer Artikel in der SZ mit Stellungnahmen des OB, der zu diesem Zeitpunkt keine Informationen von unserer Seite erhalten hatte.

 

(dieser Text wurde noch  nicht mit dem Trägerkreis abgestimmt, 13.1.2020)


 

Unser Brief / mail an H. Offman                                                                                            vom 4.1.2020

Betreff: Grußwort Münchner Friedenskonferenz

Sehr geehrter Herr Offman,

der Vorschlag des OB-Büros, dass Sie, Herr Offman, bei der Internationalen Münchner Friedenskonferenz am 14. Februar 2020 im Alten Rathaussaal das Grußwort der Stadt München übernehmen, hat uns etwas überrascht.

Wie sollten wir darauf reagieren? Sicher, wir setzen uns wie Sie für eine bessere und friedlichere Welt ein, aber zum Teil doch auf unterschiedlichen Wegen.

Kurz vor der Urlaubszeit um Weihnachten und Sylvester blieb aber nicht Zeit genug für die nötigen sorgfältigen Absprachen - weder innerhalb des Konferenzteams noch mit Ihnen selbst. Das tut uns leid, hat es doch einigen Trubel, wohl auch bei Ihnen, verursacht.

Wir waren verwundert, als in der SZ die Überschrift "Marian Offman ausgeladen" erschien.

Wir haben Sie nicht ausgeladen, sondern lediglich das Angebot des OB-Büros nicht angenommen. Der Kreisjugendring München - Stadt war in diese Entscheidung aus den o.g. Gründen leider nicht eingebunden.

Hiermit möchten wir Sie zu einem Gespräch über die deutlich gewordenen politischen Differenzen einladen.  Bitte machen Sie uns einen Terminvorschlag. Der KJR bietet bei Bedarf die Moderation dieses Gesprächs mit Ihnen an.

Mit freundlichen Grüßen,

Für den Trägerkreis der Internationalen Münchner Friedenskonferenz   Thomas Rödl

 


 

Von: Marian Offman [mail  xxx) Gesendet: Mittwoch, 8. Januar 2020 11:50
An: DFG-VK München


Betreff: Re: Gesprächsangebot

Sehr geehrter Herr Rödl,

für ein Gespräch stehe ich derzeit  leider nicht zur Verfügung. Ihre Äußerungen zu meiner Ablehnung, bzw. Ausladung haben die Angelegen aus meiner Sicht nicht besser gemacht. Haben Sie bitte Verständnis, dass ich das erstmal für mich verarbeiten will.

Viele Grüße 

Marian Offman


Unser Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter v. 10.1.2020:

 

Betrifft: Grußwort bei der Internationalen Münchner Friedenskonferenz

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Wir bedauern außerordentlich, dass durch einige Medienberichte der Eindruck einer Konfrontation zwischen Ihnen und dem Trägerkreis Friedenskonferenz entstanden ist.

Alle Mitgliedsorganisationen des Trägerkreises weisen die Unterstellung von Antisemitismus in jeder Form zurück. Wir sind entsetzt über diffamierende und verzerrende Presseberichte.

Wir haben kurz vor Weihnachten informell gebeten, einen Sprecher für das Grußwort der Stadt zu benennen, der für Frieden und Abrüstung eintritt. Unsere Sorge war, dass es auf Grund von Problemen bei anderen Veranstaltungen in der jüngeren Vergangenheit zu heftigen Protesten aus dem Publikum kommen würde. Das hätte nicht nur den Ablauf unserer Veranstaltung gestört, wir wollten das auch Herrn Offman nicht antun.

Wir bedauern, dass wir die Wirkung dieser Nachfrage auf Herrn Offman falsch eingeschätzt haben. Wir haben hier vorschnell gehandelt und nicht – wie es unseren Werten entspricht – das direkte Gespräch gesucht, um eine für alle Seiten passende Lösung zu finden. Wir bedauern, dass wir unter Zeitdruck Erklärungen abgegeben haben, die nicht mit allen Mitglieds-organisationen des Trägerkreises abgesprochen waren. Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Entscheidung des Trägerkreises bez. des Grußworts.

Wir bedauern weiterhin, nicht im Vorfeld den Dialog mit Ihnen gesucht zu haben.

Aufgrund der Feiertage und der demokratischen Strukturen des Trägerkreises gab es keine zeitnahe Stellungnahme unsererseits.

In allen unseren Mitgliedsorganisationen haben Dialog und Verständigung eine zentrale Bedeutung. Daher haben wir Anfang Januar Herrn Offman zu einem Gespräch eingeladen. Bedauerlicherweise hat er dieses Angebot abgelehnt. Gleichzeitig sind wir jederzeit bereit, mit Ihnen und Herrn Offman zu sprechen. Würden Sie, Herr Reiter, dazu beitragen, dass so ein Gespräch doch noch zustande kommt?

Wir würdigen sehr wohl alljährlich die Überlassung des Alten Rathauses als wertvolle Geste der Unterstützung der Landeshauptstadt für die Münchner Friedensbewegung.

Mit freundlichen Grüßen                                           für den Trägerkreis Thomas Rödl

 

Dieser Brief wurde abgestimmt mit den folgenden Gruppen des Trägerkreises:


Antwort Oberbürgermeister Dieter Reiter vom 13.1.2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Berichte über die Frage Grußwort

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-friedenskonferenz-offman-reiter-reaktion-1.4748927

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.nach-absage-an-offman-kommt-bald-das-ende-der-muenchner-friedenskonferenz.b7563533-d0f8-47d3-a445-37ec36fd8944.html


Zur Einschätzung der Politik von Marian Offman:

https://www.tz.de/muenchen/stadt/eine-welt-haus-muenchen-antisemitismus-streit-eskaliert-8527212.html

https://www.ikg-m.de/geduldeter-judenhass-im-muenchner-eine-welt-haus/

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.antisemitische-veranstaltungen-eine-welt-haus-streit-mit-der-csu-eskaliert.9fb38e46-d098-4c45-bd9c-219fa3db24ed.html

http://www.richardquaas.de/wp-content/uploads/2014/01/Eine-Welt-Haus.pdf

 

 

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